Die Neue Düngeverordnung – Expertenmeinungen Teil 3

Interview mit Dr. Georg Mevenkamp (Geschäftsführer AMG Agrarmanagement GmbH)

Bedarfsgerechte Düngung spiele im integrierten Gemüseanbau schon lange eine Rolle, sagt Dr. Georg Mevenkamp, Geschäftsführer der AMG Agrarmanagement GmbH. Schon deshalb, weil der Effzienzdruck hoch sei. Für ihn ist es völlig unverständlich, dass mit der Novelle der Düngeverordnung die organische Düngung begrenzt wird. Eine Förderung wäre sinnvoll, um ein breites Bodenleben zu sichern. Langzeitfolgen der Einschränkungen auf die Bodenfruchtbarkeit seien nicht berücksichtigt.

 

Lesen Sie im nachfolgenden Interview, welche Folgen Dr. Mevenkamp sieht und welche Lösungsvorschläge er hat.

Das Klima hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten gewandelt, z.B. länger anhaltende hohe Temperaturen. Hat dies bereits einen Einfluss auf die Düngemaßnahmen?

Die Erfahrung der letzten Jahre haben gezeigt, dass stabilere Großwetterlagen zur Ausbildung von Extrembedingungen führen können. 2017 war ein sehr nasses Jahr mit extremen Niederschlagsereignissen, 2018 und 2019 sind zumindest regional mit hohen Temperaturen und extremer Trockenheit einhergegangen. Die Fähigkeit der Pflanze, Nährstoffe aufzunehmen, ist eng mit der ausreichenden Wasserverfügbarkeit verbunden. Hohe Temperaturen fördern die Nachlieferung von Nährstoffen aus dem Boden, starke Niederschläge führen zu Verlagerung in tiefere Bodenschichten. Beides hängt wiederum von der Qualität und den Eigenschaften der betroffenen Flächen ab.

 

Was bedeutet die Verschärfung der Düngeverordnung vor diesem Hintergrund für die Praxis?

Ein flexibler Umgang mit diesen Extrembedingungen ist mit den starren Vorgaben der Düngeverordnung nur schwerlich möglich.

In der neuen Düngeverordnung wird festgelegt, dass für die sogenannten roten Gebiete Einschränkungen beim Einsatz von Düngemitteln hinzunehmen sind. Schon jetzt wird der Düngebedarf vor jeder Ausbringung an den Vorgaben der aktuell gültigen Düngeverordnung berechnet. Mit der Verschärfung der Vorgaben für die roten Gebiete sind von diesem Wert nochmals pauschal 20 % abzuziehen. Wird diese Vorgabe flächendeckend umgesetzt, kommt es zu einer kontinuierlichen Unterversorgung der Kulturen mit Nährstoffen, was Qualitätseinbußen zur Folge haben wird.

 

Dann bleibt die Ernte stehen?

Ja. Mindere Qualitäten bei Gemüse bedeutet, nicht vermarktungsfähig. Wir befürchten, dass daraus ein erhöhter Anteil der Kulturen nicht geerntet werden kann.

 

Also machen die Neuerungen keinen Sinn?!

Doch. Grundsätzlich ist der Ansatz, jede Luxusversorgung mit Dünger und Auswaschungen von Nährstoffen zu vermeiden, in Ordnung. Aber: Die neue Verordnung orientiert sich dabei sehr an den landwirtschaftlichen Kulturen. Die Besonderheiten beim Anbau von Gemüse werden dabei nicht in vollem Umfang berücksichtigt.

 

Was heißt das konkret?

Die Gemüsekulturen haben zum Erntetermin den Entwicklungszyklus nicht abgeschlossen und benötigen genau dann ein vergleichsweise hohes Nährstoffangebot. Es besteht kein Zusammenhang zwischen Einkürzung im Düngerangebot und Ertrag, sondern vielmehr besteht eine Art Schwellenwert, unterhalb dessen es zu einem Totalverlust kommt. Weiterhin bereiten Einschränkungen bei der Gabe von organischen Düngemitteln Probleme auf Dauer den Humusgehalt der Böden auf hohem Niveau zu halten. Es ist völlig unverständlich, dass die organische Düngung begrenzt wird. Eine Förderung wäre sinnvoll, um ein breites Bodenleben zu sichern. Langzeitfolgen der Einschränkungen auf die Bodenfruchtbarkeit sind nicht berücksichtigt.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, mit einem geringeren Düngemitteleinsatz trotzdem die gewünschten Mengen und Qualitäten zu erzeugen?

Letztendlich führt kein Weg an der Extensivierung des Anbaus in der Fläche vorbei. Das heißt, die Gemüsekulturen müssen ausreichend gedüngt werden und Einsparungen müssen dann über Teilflächen in der Düngung reduziert werden. So kann den düngeintensiven Kulturen ein optimales Angebot ermöglicht werden. Wer dann landwirtschaftliche Kulturen (z.B. Getreide) hungern lassen kann, hat in diesem Fall einen Vorteil. Technische und züchterische Fortschritte können eventuell noch einen zusätzlichen Beitrag leisten.

Müssen sich die Verbraucher auf andere Qualitäten einstellen? Muss der LEH Abstriche bei seinen Spezifikationen machen?

Grundsätzlich werden die gewohnten Qualitäten nicht mehr zuverlässig zur Verfügung gestellt werden können. Zunächst denkt man bei der Qualitätsminderung an die Größe der Produkte. So ist zu erwarten, dass beispielsweise die Kopfgröße bei Salaten, die Größe bei Kohlrabi und Brokkoli deutlich geringer ausfallen wird. Doch ist dieses Kriterium nicht allein betroffen. Auch Form und Farbe werden sich verändern.

 

Können Sie Beispiele nennen?

Die Knollenform bei Kohlrabi wird eher hochrund ausfallen und es ist zu befürchten, dass der Anteil holziger Knollen steigt. Die Struktur der Blume bei Blumenkohl und Brokkoli wird eher locker und grob ausfallen. Die Qualität bei zahlreichen Produkten definiert sich vielfach über die Farbe der Blätter. So gilt die Laubfarbe bei Kohlrabi als wichtiges Merkmal für Frische. Mit reduzierter Düngung werden die Blätter heller und vergilben schneller. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, wie sich der Markt bzw. die Verbraucher verhalten, wenn Gemüse in gewohnter Qualität aus anderen Kanälen angeboten wird. In einem freien europäischen Markt wird sehr wahrscheinlich das Gemüse in Zukunft aus anderen Ländern geliefert. Ob dann noch die Ware mit schwächerer Qualität akzeptiert wird bleibt fraglich.

 

Welcher Weg wäre also sinnvoller?

Schon immer hat die bedarfsgerechte Düngung eine herausragende Rolle im integrierten Anbau von Gemüse gespielt. Ziel ist die bestmöglichen Qualitäten unter optimierter Nutzung der verfügbaren Ressourcen zu erzeugen. Dabei spielt auch der Kosten- bzw. Preisdruck eine wichtige Rolle. Weitere Einschränkungen sind nicht ohne Abstriche bei der Qualität zu machen, da ein Mindestangebot für bestimmte Qualitäten erforderlich ist, das nicht unterschritten werden darf. Verbesserungen können sicherlich über technische Entwicklungen und Verbesserung der Nährstoffeffizienz bei der Züchtung neuer Sorten erzielt werden. 


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