Der Martinstag – Tradition mit vielen Facetten

10.11.2020 | Verbraucher

Wenn am 11. November der Martinstag, in Süddeutschland auch Martini genannt, gefeiert wird, kommen viele Traditionen zusammen: das Ende des Bauernjahres ebenso wie das Fest des Heiligen Martin, Laternenumzüge und natürlich der kulinarische Brauch der Martinsgans.


Über Jahrhunderte war der 11. November ein besonderer Tag für die Landbevölkerung, denn er markierte das Ende des landwirtschaftlichen Wirtschaftsjahres, des so genannten Bauernjahres. Knechte und Mägde erhielten ihren Lohn, ebenso wie die Saisonarbeiter und Erntehelfer. Das Martinischlachten und Einpökeln sicherten die Versorgung mit Fleisch für den Winter. Vor allem musste die Pacht gezahlt und ein Teil der Ernte an die Obrigkeit abgegeben werden. Im Mittelalter waren Naturalien als Zahlungsmittel noch weit verbreitet, und die Gans galt als Währung der Kleinbauern.


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Laterne, Laterne…

Mit Lichterprozessionen dankte die Bevölkerung für eine gute Ernte. In dieser Tradition ziehen bis heute, sofern sie nicht von einer Pandemie daran gehindert werden, Kinder mit Laternen durch die abendlichen Straßen. Dabei singen sie Sankt-Martins-Lieder, um an die guten Taten des Heiligen zu erinnern – vor allem an die berühmte Teilung seines Mantels mit einem frierenden Bettler.


Laterne

Kulinarischer Brauch: die Martinsgans

Aber was hat die Gans eigentlich mit Sankt Martin zu tun? Eine Version der Legende: Der Heilige sollte in Tours (Frankreich) zum Bischoff ernannt werden, hielt sich aber aus Bescheidenheit für unwürdig, das hohe Amt zu bekleiden und versteckte sich vor der Ernennung in einem Gänsestall. Weil die Gänse ihn durch ihr lautes Schnattern verrieten, wanderten sie umgehend in den Bräter. Eine andere, vielleicht glaubhaftere Erklärung liefert der Brauch der Bauern, sich von den Saisonarbeitern mit einem Festmahl zu verabschieden. Für die Gänse lief allerdings beides auf dasselbe hinaus…


Gans

Traditionell wird die Martinsgans heute mit Rotkohl und Semmel- oder Kartoffelklößen sowie einer Füllung genossen, die von Region zu Region variiert. Im Norden Deutschlands ist es üblich, die Gans mit einer Mischung aus Mett, Zwiebeln, Knoblauch und Kräutern zu füllen, während der Süden bei der Zubereitung auf eingeweichte Semmeln, Maronen, geröstete Nüsse, Äpfel, Pflaumen, Zucker, Salz, Essig und Rotwein setzt.
Auf jeden Fall ein Festmahl für alle.


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